Freitag, 9. Oktober 2015

33x 3 Glücksmomente Tag 11

Eigentlich wollte ich jetzt erst schreiben, dass mir heute ganz besonders der Besuch beim Streichelzoo zusammen mit dem Müllerchen, das Radeln im sonnigen Herbstwetter und überhaupt die wunderschöne Natur und die vielen bunt gefärbten Bäume gefallen haben, aber ein - wenn auch sehr kurzes - Erlebnis heute übertrifft alles.

Nicht dass es so ein Glücksmoment wäre, der Anlass ist eigentlich sehr traurig, aber die Dankbarkeit, die ich für meine kleine Familie fühle, ist umso grösser.

In unserem Ort sind seit einigen Tagen Flüchtlinge in einer der Turnhallen untergebracht. Noodopvang - Notunterbringung auf Deutsch. 150 Leute in einer Turnhalle, zwar Duschen und Toiletten genügend vorhanden, da ein Schwimmbad daran gegliedert ist, aber trotzdem keinerlei Privatsphäre für all die Leute. Soweit auch alles gut geregelt, gute und rechtzeitige Information der Nachbarn bzw. des Viertels, viele freiwillige Helfer, unendlich viele Sachspenden, Sportvereine, die angeboten haben, dass Flüchtlingskinder beim Training mitmachen dürfen, Friseure, die spontan gratis Haarschnitte angeboten haben und Material für einen geflüchteten Friseur zur Verfügung gestellt haben, das Rote Kreuz und all die freiwilligen Übersetzer von der hiesigen moslimischen Gemeinschaft undundund, einfach unbeschreiblich und herzerwärmend. Es wäre mir nur einfach viele Male lieber, die Leute hätten überhaupt erst nicht flüchten müssen, denn wer verlässt schon wirklich gerne seine Heimat und nimmt derartig schreckliche Wege in Kauf?

Alles in allem habe ich aber bis heute nix weiter mitbekommen von den Flüchtlingen. In der Schule des Müllerchens hatten die Kinder Willkommensgirlanden gebastelt, aber mehr als das war es nicht.
Bis ich dann heute am späten Nachmittag noch schnell ins Zentrum geradelt bin, um ein Geschenk zu kaufen und ein Buch bei der Bibliothek abzugeben. Ich war gerade dabei, mein Mamafiets (= niederländisches Transportrad mit Kindersitz hinten drauf, ein nerviges Ding, aber insgesamt sehr praktisch) am Radständer abzustellen, als mich ein älterer Mann in sehr gebrechlichem Englisch ansprach. Wo er hier einen Computer finden könnte, man hätte ihm gesagt, dass hier gratis Computer wäre. Ehhh nun ja, gratis hier, nicht wirklich. Aber die Bibliothek hat Computer, die man kostenlos benutzen darf. Ja, das wäre das wohl, das habe man ihnen in der Turnhalle auch so gesagt. Erst dann sah ich die kleine Gruppe Leute, die doch sehr verloren aussah. Ich musste sowieso zur Bücherei, also habe ich die Leute kurzerhand mitgenommen zur Bibliothek und dort gefragt, ob man den Leuten weiterhelfen könnte. Ja, konnte man, die Bibliothekarin war auch informiert und hat alles weitere geklärt.
Überwältigt war ich einfach von der Dankbarkeit der Menschen, ich habe doch nur kurz den Weg gezeigt und ein wenig gedolmetscht...

Als ich nach Hause kam, habe ich das Müllerchen erst einmal sehr fest an mich gedrückt und Herrn Müller auch. Ich wünsche mir, dass niemand mehr flüchten muss, seine/ihre Familie zurücklassen muss, Todesängste ausstehen muss. Ein Wunsch, der wohl leider nicht in Erfüllung gehen wird, aber trotz allem gewünscht werden muss. 

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