Samstag, 6. Mai 2017

Osterbrunnen oder wie die Nachbarn bei unserem Vorgarten stehenblieben

Ostern ist seit geraumer Zeit vorbei, auch wenn wir es noch nicht geschafft haben alle Schokohasen und -eier zu essen. Dem Müllerchen ist das aber vollkommen egal, er fragt jetzt schon, welches Tier denn an Pfingsten kommt und Süssigkeiten bringt...


Bevor das Müllerchen in unser Leben kam, hatten wir nur sehr selten Osterschmuck. Manchmal ein paar Zweige aus dem Garten mit bemalten Ostereiern, aber als die Katzen bei uns einzogen, war das Thema schnell erledigt - junge Katzen und buntes schaukelndes Zeug an Zweigen ist keine gute Kombination.

Seit den letzten Jahren dekoriere ich aber wieder, die Katzen sind ja schliesslich auch älter und ruhiger geworden oder haben es einfach aufgegeben auf Tische zu bringen und die Krallen in seltsames Zeugs zu hauen. Und das Müllerchen mag bunte Deko, ich im übrigen auch und Herr Müller findet es auch ok. So kamen also die bemalten Ostereier und Filzhasen wieder zum Vorschein.

Im Vorgarten unseres neuen Hauses gibt es eine Art Rosette aus Buchs mit einem Buchsbäumchen im Topf in der Mitte. Eigentlich etwas kitschig, passt aber wunderbar zu unserem Haus aus den 1920ern. Allerdings fand ich in der Woche vor Ostern all das dunkelgrüne Buchszeug nicht wirklich schön, eher sehr langweilig, zumal die Magnolie auch noch nicht blühte und der Vorgarten sehr dunkel wirkte. In meiner alten Heimat gibt es den Brauch der Osterbrunnen (die Dorf- bzw. Stadtbrunnen werden gereinigt und dann mit Grün und Ostereiern bunt geschmückt). Herr Müller findet diesen Brauch toll, für mich ist es eben eine dieser Traditionen, die einfach dazugehören und so haben wir beschlossen ein paar bunte Ostereier in den Buchs zu hängen. Nächstes Jahr werden wir das ganze professioneller anpacken, aber wir fanden es schon mal sehr schön bunt ;-)



Unsere Nachbarn sind grösstenteils sehr freundliche und liebe ältere Leute, die ihre Vorgärten liebevoll pflegen (lassen) und zumindest an Weihnachten ein bisschen dekorieren. Sie wissen, dass ich aus Deutschland komme, finden dies toll und stellen viele Fragen z.B. zu Geschichte und Geografie. Total lieb dieses Interesse, aber manchmal kann ich leider keine Antwort geben (wie weit ist es von hier bis nach Fulda? Ehhh, da muss ich mal den Routenplaner befragen, und auch die Namen aller Burgen und Schlösser in Süddeutschland weiss ich nicht...).
Gut, zurück zum eigentlichen Thema, die Nachbarn sind daran gewöhnt, dass bei uns manche Dinge etwas anders gemacht werden (Weihnachtsdeko im Garten erst kurz vor Weihnachten und nicht schon vor Sinterklaas, es kommt das Christkind und nicht der Weihnachtsmann etc.), aber als Herr Müller und ich die bunten Eier in den Buchs gehängt haben, gingen die Gardinen des öfteren auf und zu und gab es einige neugierige Blicke. Kurz darauf machten auf einmal sehr viele Leute einen Spaziergang entlang unseres Gartens und guckten äusserst interessiert hinein, blieben stehen und hatten ein Lächeln im Gesicht.

Am schönsten fand ich aber unsere Nachbarin C., eine rüstige ältere Dame, die leider einen Unfall hatte und jetzt vorübergehend mit Rollator bzw. Stock laufen muss. Was sie so garnicht mag, denn sie ist gerne unabhängig und möchte lieber nicht an ihr fortgeschrittenes Alter erinnert werden.
Sie erzählte mir letztens, dass sie bei ihren Spaziergängen (mit Rollator) rundum Ostern immer bei unserem Vorgarten stehenblieb und die Ostereier bewunderte, insgeheim aber die paar Minuten zum Ausruhen nutzte, aber so überhaupt keine Lust auf mitleidige Fragen nach ihrem Befinden hatte. Und schon garnicht zugeben wollte, dass sie nicht mehr so kann wie sie will (obwohl, mir sagte sie es ja auch? nun ja). Da kam unser "Osterbrunnen ohne Brunnen" gerade recht als Vorwand... Ich musste doch sehr schmunzeln!

Mittlerweile sind die Eier längst wieder verstaut und wir bekommen immer noch Fragen dazu sowie die Bitte, das nächstes Jahr an Ostern doch wieder zu machen, denn das wäre ja so schön fröhlich ;-) Also dann, wir werden dann in 2018 mal so richtig loslegen mit selbstbemalten Eiern statt wetterfesten Plastikeiern auf Rundbögen und noch ein bisschen mehr Deko. Was tut man nicht alles für ein bisschen mehr Farbe und Fröhlichkeit im Leben?

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